Ausstellungstipps

I AM HERE TO LEARN

Zur maschinellen Interpretation der Welt
Gruppenausstellung
Frankfurter Kunstverein, bis 08. April 2018

Der junge Belgier Dries Depoorter zeigt eine Arbeit, die (angeblich) zahlreiche Überwachungskameras, welche mit dem Netz verbunden sind, gehackt hat. Diese Überwachungskameras zeichnen Besucher von zahlreichen Shops irgendwo in der Welt auf. Ein Algorithmus mit Gesichtserkennungsprogramm kann nun (angeblich) in Echtzeit bekannte Persönlichkeiten, die einen dieser Shops betreten, erkennen und dann auf den Bildschirm im Frankfurter Kunstverein legen (mit Vergleichsfoto der Persönlichkeit daneben eingespielt). Spannende Idee, allerdings wirkt die Geschichte irgendwie nicht so recht glaubhaft – klar gibt es diese Programme, – die bekannte Galerie von Larry Gagosian benutzt solch ein Programm in seinen Galerien, um berühmte Sammler sofort zu erkennen – trotzdem kommt dem Besucher vor Ort die Bilder wie ein Fake vor. Außerdem hat das Programm bekannte Personen nicht zuverlässig erkannt, sondern auch ähnlich aussehende Menschen herausgefiltert. Ob echt oder nicht, technisch ist das möglich, was die Arbeit sehr verstörend macht.

Esther Hovers zeigt eindrucksvolle Bilder von Straßenszenen, auf denen Menschen zu sehen sind, welche sich im öffentlichen Raum bewegen oder stehen. Einige haben Posen eingenommen, die von Überwachungskameras mit Körpersprache-Algorithmus als »verdächtig« erkannt werden würden und somit Alarm ausgelöst hätten (was bedeutet, ein Mensch müsste in so einem Fall auf den Bildschirm schauen, um zu bewerten und um reagieren zu können). Auch die Wege, die Menschen an überwachten Orten nehmen, werden von diesen Algorithmen bewertet und auf ihre Verdächtigkeit hin bewertet. Ausdrucksstarke Fotos, also Ästhetik kombiniert mit Konzept.

Spannende neue Arbeiten von Trevor Paglen, dessen Werk bereits recht bekannt ist. Seine früheren Arbeiten sind Dokumente seiner Überwachungsaktionen mit der Kamera, bei denen er vor allem den CIA überwacht und damit »sichtbar« gemacht hatte. Hier in Frankfurt sieht man, dass er seine Ideen weiterentwickeln kann.

Auf der Anderen Seite sind auch Spielereien zu sehen, wie etwa Zeichenprogramme, die Besucher in drei verschiedenen stilistischen Varianten zeichnen können. Naja, witzig, aber ist das dann schon Kunst??? Oder doch nur Spielerei. Der Verweis auf Kreativität und Originalität zieht nicht wirklich, denn das Programm ist sich nicht »bewusst«, was es tut. Hier kommt es wieder darauf an, wie man KI definiert.

Auch das xte Zitat von Joseph Kosuth´s »On and Three Chairs« von 1967 ist interessant, aber haut den Besucher nicht wirklich um, obwohl der berühmten Konzept Arbeit von Kosuth noch eine Dimension hinzugefügt wird (nämlich die vor dem Stuhl stehende Kamera, bei der man den gefilmten Stuhl auf dem Display sehen kann).

Insgesamt aber eine wirklich tolle Ausstellung auf der Höhe der Zeit, immer mit dem Risiko etwas im Grunde Triviales zu zeigen. Zum Beispiel eine letztlich dekorative Arbeit mit Blumenmotiven eines Koreanischen Künstlers, die sich selbst abstrahiert.

https://www.fkv.de/de/content/i-am-here-learn-zur-maschinellen-interpretation-der-welt

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»Boom for Real«, Jean-Michel Basquiat

Schirn Kunsthalle
Frankfurt, bis 27. Mai 2018

Jean-Michel Basquit braucht man nicht vorstellen, er ist einer der Pioniere der Graffiti Kunst aus New York. Er ist einer der wenigen Künstler der Street Art aus der Frühphase, die Heute noch bekannt sind (neben Keith Haring). Sowohl Basquiat als auch Haring waren keine Kids aus dem Ghetto, sondern entstammten der Mittelschicht und hatten Zugang zu Kunst, im Falle von Haring sogar ein Kunststudium (School of visual Art, NY). Beide waren in ihrer Arbeit sehr originell und kreativ. Wie man in der Basquiat Ausstellung in Frankfurt gut sehen kann, war dieser auch auf anderen Gebieten eigenständig unterwegs. Seine Zusammenarbeit mit Francesco Clemente und Andy Warhol wird natürlich auch beleuchtet, sowohl mit Gemälden (Warhol begann dank Basquiat wieder zu malen), als auch mit Foto und Filmdokumenten. Wer nach dieser Ausstellung so richtig neugierig auf Basquiat geworden ist, sollte sich den Film »Downtown 81« anschauen, in dem Basquiat sich selbst spielt, oder die herausragende Filmbiographie von Julian Schnabel »Basquiat«, in dem übrigens David Bowie Andy Warhol spielt.

http://www.schirn.de/

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Hinweis:

Ab 14. April 2018 startet wieder das Comix Festival »Fumetto« in Luzern. Ein Besuch auf dem eine Woche dauernden Festival ist für alle Freunde der Illustration Pflicht. Zu sehen immer enorm zahlreiche original Arbeiten bekannter Comic Künstler, verteilt an verschiedenen Orten in Luzern. Jedes mal eine spannende Wanderung durch Luzern und die Welt der Comics. Bitte einen ganzen Tag einplanen, denn es gibt sehr viel zu sehen.

Mehr Infos auf www.fumetto.ch

Freiburg, März 2018
Dirk Görtler

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